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als vor ca. 2400 jahren der athener platon seine ideale polis der real existierenden entgegenstellte, dachte er nicht daran, die herrschaft abzuschaffen; er wollte sie vielmehr auf hochglanz polieren.
sein hauptkritikpunkt war die ignoranz der herrschenden. seiner einschätzung nach waren fürs regierungsgeschäft die besten gerade gut genug. im grunde kein extravaganter gedanke für einen aristokratensohn. aristós hieß im griechischen: der beste.
die altgriechischen herrschaftsverhältnisse weckten aber nicht nur bei aristokraten wie platon zweifel. bei den kynikern z.b. auch, wenngleich die etwas radikaler dachten und die abschaffung der regierenden verlangten - für immer.
dem mochte der aristokratensohn natürlich nicht folgen. ihm erschien es zwingend erforderlich, die aristokratie oder bestenherrschaft beim wort zu nehmen und an die stelle der tollkühnen bis traditionstreuen erbprinzen die in wahrheit besten in die regierungsämter einzusetzen. und dafür kamen nach platons plan nur philosophen in betracht. menschen, die etwas wissen, vor allem wissen, was sie tun, und das wissen zum maßstab ihrer entscheidungen machen.
platon gründete eine philosophenschule in athen, die akademie, nach der bis heute wissenschaftler und hochschulen benannt werden.
gemessen am wissensstand heute wussten die akademiker im alten athen aber herzlich wenig. sie standen erst am anfang. der moderne interkontinentale austausch und wettbewerb der organisierten wissenschaft entspricht nun aber in keiner weise platons ideal. erstens weil viele experten so spezialisiert sind, dass sie zu wenig wissen, um sich mit anderen experten zu verständigen (daher zu recht die beschimpfung als fachidioten); zweitens weil die wissenschaftler/innen von heute keine herrschaftsmacht haben, sondern sich verdingen im dienst der neukühnen bis ahnungslosen, obendrein arroganten regierenden.
seit etwa 500 jahren ist das anhaltende interesse der herrschaft an den (natur)wissenschaften gut belegt. nicht nur kartografie und navigation standen aus handfesten gründen in höchster gunst, auch die kunst des kanonengießens wurde fleißig gefördert. damit das geschütz nicht zur gefahr für die eigenen mannen wurde, bemühte sich ein vorausschauender fürst um kanonenguss-experten, und damit die geschosse ihr ziel nicht verfehlten, stellte er kanoniere ein, die sich aufs berechnen ballistischer kurven verstanden. ohne das genau gemischte und trockengehaltene pulver ging freilich kein schuss los, kurz: neben metallurgischen und physikalischen waren chemische spezialisten an fortschrittlichen fürstenhöfen gefragt.
aus dem höheren interesse auf höchster ebene entstanden die königlichen akademien.
jahrhunderte später sind die kriegsministerien die hauptauftraggeber für alfred nobels und andrer chemiker erfindungen. großprojekte wie der bau der atombombe oder die erforschung des weltraums wären ohne hohe staatliche investitionen in personal und material undenkbar.
wissenschaft wurde und wird einerseits massiv gefördert, andrerseits aber ist sie zur dienstleistung im auftrag mächtiger interessenten verkommen, sei es im auftrag einer regierung, sei es im interesse eines konzerns.
trotzdem ist die hightech-gesellschaft inzwischen so wissenschaftshörig geworden, dass selbst die jenseits jeglicher wissenschaftlichkeit operierenden regierenden sich regelmäßig von akademischen beiräten und expertenkommissionen beraten lassen müssen. wann ist auch schon mal, sagen wir, ein gekürter gesundheitsminister der chefarzt einer klinik und/oder ein professor der medizin?
regierende sind generalisten. himmelhoch stehen sie über den schubladenschränken der fachleute und wechseln die ressorts wie das hemd. das bisschen sachverstand, das sie vielleicht einmal brauchen, rufen sie bei bedarf eben in beiräten und kommissionen ab. inwieweit der expertenrat in ihre entscheidungen einfließt, hängt von etlichen faktoren ab. im wesentlichen sind kabinettsbeschlüsse interessegeleitet. sachfragen sind dem taktieren und paktieren untergeordnet. primat der politik heißt das.
die meisten wissenschaftler/innen arbeiten wie ameisen an einem projekt, dessen ausmaße sie nicht einmal ahnen. wenn wissenschaftsjournalisten und wissenschaftshistoriker das verstiegene und verstreute wissen nicht sammelten und zusammensetzten, wüssten zeitungsleser/innen und radiohörer/innen noch weniger.
der ur-akademiker platon nannte die demokratie eine krankheit des staates. sein ziel war, wie gesagt, die durch wissen optimierte aristokratie.
die laute propaganda für den exportschlager demokratie, das westgeschenk an den rest der welt, möchte darüber hinwegtäuschen, dass es auch tief im westen bis in die gegenwart hinein ernsthafte kritik an der demokratie gab und gibt. vor allem ist hier an walter lippmann zu erinnern und sein hauptwerk "Public Opinion". nicht von ungefähr stellte er seinem buch platons höhlengleichnis voran. als junger mann hatte lippmann in den intellektuellen seiner zeit die neuen "philosophen" gesehen, die führungsriege der modernen demokratie.
seine erfahrungen im krieg in europa ließen ihn dann aber abstand nehmen von der idee des "mündigen Bürgers" und des "Volks als Souverän". bereits vor 90 jahren schrieb er, die welt sei viel zu komplex für das fassungsvermögen des politisch interessierten staatsbürgers. die indirekten und zum teil manipulierten nachrichten seien eine schlechte grundlage für die meinungs- und urteilsbildung. im bewusstsein der durchschnittswähler/innen würden die halbwahrheiten dann noch mit individuellen vorurteilen, traditionellen einstellungen,  | unbewussten regungen und missverstandenen schulweisheiten verquirlt. und übrig blieb ein wertloser meinungsbrei.
das war eine neuauflage der prinzipiellen kritik platons am ignoranten regime im alten athen und an den schattenbildern.
nun ist aber die gesellschaft seit 2400 bzw. 90 jahren sehr viel unübersichtlicher geworden. wenn überhaupt jemand in der lage ist, eine sachfrage befriedigend zu beantworten, dann ist es ein experte, eine frau oder ein mann mit spezialkenntnissen. das sind menschen, die nach gründlicher ausbildung eine jahrelange berufserfahrung vorweisen können.
einen überblick über das ganze land, geschweige denn die ganze welt, aber haben auch sie nicht.
es ist ja bezeichnend für die situation, dass es zwar viele spezial- und nationalgeschichten gibt, aber keine gültige universalgeschichte. geschichte und geografie, die disziplinen, die einen überblick vorbereiten könnten, sind in der schule nebenfächer. und die bewusstseinsindustrie überschüttet möglichst alle, jung und alt, mit einem informationskonfettidauerschauer, der den blick auf die welt zusätzlich verschleiert.
wenn es den regierenden um wahrhaftigkeit und wahrheit zu tun wäre, müssten sie völlig verzweifeln. doch davon ist nichts zu merken. sie können vielmehr entspannt in die kameras lächeln, weil sie ihre machtposition genießen, ihre rolle im herrschaftssystem.
darum auch schert sich niemand um die paradoxe situation, dass in der hightech-gesellschaft einerseits für jeden job eine qualifizierende aus- und weiterbildung verlangt wird, möglichst mit sehr guten zeugnissen, für die schwierigsten und wichstigsten aufgaben aber, das geschäft der gesellschaftsleitung und der erziehung der kinder, ein nachweis der eignung gar kein thema ist. ein gewisses alter ist die wesentliche voraussetzung. im ersten fall muss außerdem die kunst des ankreuzens, im zweiten fall die kunst des kinderkriegens gelingen. über die ochsentouren der parteiarbeit und des familienalltags erübrigt es sich zu berichten.
offensichtlich setzten platon und lippmann mit ihrer kritik an der falschen stelle an. es geht in der demokratie gar nicht ums wissen, sondern ums wollen. wahlen ebenso wie kabinettsbeschlüsse sind willensbekundungen, keine wahrheitsfindungen. wissen ist beiwerk. beim schalten und walten wie in der kindererziehung setzt die gesellschaft willentlich oder gedankenlos weiterhin auf die macht der instinkte. in der politischen klasse zählt der macht-instinkt, beim großziehen der kleinen (durch die eltern) der brutpflege-instinkt.
wissenschaft soll diesen naturzustand bedienen. daher die wissenschaftlichen beiräte und daher die neuerdings vorgeschriebenen medizinischen untersuchungen der kinder. wenn das ungeschriebene grundgesetz der gesellschaft nicht dieser naturzustand wäre, sprich: kernkompetenz rang- bzw. brutverhalten, gäbe es längst das römische elternrecht (elterliche gewalt) nicht mehr und auch keine politik der macht- und parteikämpfe.
platon ordnete jedem staatswesen den passenden charaktertyp zu, dem demokratischen den demokratischen charakter etc. was er vergaß bei seinen analogiespielen, was auch heute meist übersehen wird, ist die konsequenz und quintessenz der vergleiche und das salz der demokratie.
kopf gleich obrigkeit, arme gleich armee, ok; klar auch, dass haut, bauch und beine, die größten organe, nicht sehen und nicht denken können. sie müssen dem kopf gehorchen. doch wenn der kopf nichts merkt, z.b. bei einer fußverletzung, kann eine den ganzen organismus bedrohende blutvergiftung oder eine verstümmelung, etwa bei lepra, die folge sein.
die oft als fußvolk oder stimmvieh verunglimpfte bevölkerung ist herzlich ahnungslos, was das große ganze betrifft, aber die den ganzen körper tragenden füße fühlen, wann und wo ihnen der schuh drückt.
darum hat die basis in der demokratie das grundrecht der demonstration und der freien meinungsäußerung. wo aber die regierenden den protest ignorieren oder unterdrücken, ist die ganze gesellschaft in gefahr. das sensorische korrektiv zeichnet das demokratische system vor anderen herrschaftsformen aus.
zukunftsfähig ist aber keine form der herrschaft, da sie immer dazu neigt, die regierten zu knebeln und mundtot zu machen, statt sie anzuhören. es genügt nicht, etwa die amtszeit von kanzlern und ministerpräsidenten zu verkürzen und den parteienstaat zurückzunehmen. das platzhirschverhalten ist ein relikt der wildnis, das die existenz der menschheit bedroht.
es ist bekannt, dass kohl und schröder versagt haben; aber auch jede/r andere ist mit der aufgabe des oberhampelmanns überfordert. für spitzenfunktionäre gilt das gleiche wie für die überforderten und insofern politisch unmündigen bürger/innen: im zeitalter der wissenschaft müssen expertengremien im entscheidungsfindungsprozess zumindest so viel gewicht haben wie die berufspolitiker/volksvertreter.
wissenschaftliche leistung ist keine frage der nationalität; darum sollten die gremien nach erwiesener fachkompetenz, nicht aber nach landes- oder gar parteifarben besetzt sein.
ebenso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, ist die einrichtung der ethikative als übergeordneter instanz. personell und institutionell nicht vergleichbar mit dem ethikrat und entsprechenden kommissionen.
heinrichs und andere sprechen vom "Rat der Weisen". das können nur frauen und männer im alter von mindestens 60 jahren sein, die außer lebenserfahrung eine vita vorweisen, die im zeichen des kampfes gegen wahn und gewalt stand und steht.
wenn mensch und erde gegen alle wahrscheinlichkeit doch noch zukunft haben sollen, muss bald vieles verändert werden. jedenfalls muss die rolle der wissenschaft gestärkt werden.
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