h.yurén
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Folter

 


zur allgemeinen information ist der wikipedia-artikel empfehlenswert.
schon die knappe übersicht über die geschichte der folter und der tendenzen, das grausame treiben ganz abzustellen, lässt nur einen schluss zu:
solange es herrschaft gibt, gleichviel in welcher verkleidung, so lange wird gefoltert. nicht täglich vielleicht. nicht überall und nicht in aller öffentlichkeit, doch im verborgenen. ans licht gelangt nur ein bruchteil.
für die staatliche ära, an dessen ende wir uns befinden, gilt: je straffer ein staat durchorganisiert ist, je klarer das führer-prinzip erscheint, desto wahrscheinlicher kommt es zur folter. geheimdienste und gefängnisse sind voraussetzungen, die überall gegeben sind.
die hierarchische gesellschaft ist ein künstliches, stets vom verfall bedrohtes gebilde. je imposanter die anstrengungen zum aufbau und erhalt der macht, desto zahlreicher und rücksichtsloser die anwendungen der folter. die beispiele in geschichte und gegenwart sind legion.
es ist bezeichnend, dass hierzulande seit den 90er jahren öffentlich über mögliche einschränkungen und ausnahmen zum strikten folterverbot diskutiert wird. das wir-sind-wieder-wer-gefühl hadert nicht selten mit der verfassung, die ein geschenk der schwachen stunde des staats ist.
kein staat hat die mühsam kanalisierten kräfte so gut im griff, dass der hohe innendruck des systems nicht die schwächsten im lande täglich trifft, z.b. die gefangenen, die kinder, die tiere usw.
das milgram-experiment und auch das stanford-prison-experiment zeigen, was in hierarchisch strukturierten gesellschaften möglich ist und darum auch tatsächlich geschieht, mögen gesetze und medien auch etwas anderes sagen.
die äußerste anspannung kennzeichnet den staat im kriegszustand. massenmord und folter werden dann zu kollateralschäden umbuchstabiert und in kauf genommen. da aber praktisch alle staaten für den sogenannten ernstfall gerüstet sein
müssen, ist die anspannung und angst der wachhabenden bereits im tiefsten frieden spürbar. die berichte internationaler nicht-regierungs-organisationen wie ärzte ohne grenzen oder amnesty international vermitteln einen eindruck von der lage der menschenrechte in den ländern der welt. der un-sonderberichterstatter für folter kann dem traurigen bild nicht viel hinzufügen.

der staatsgewalt gegenüber steht unbewaffnet das menschliche mitgefühl mit den notleidenden. kein system konnte es ausmerzen. anderen in der not beizustehen, ist allen menschen angeboren.
als gefestigtes gewissen wird es unüberwindlich.
doch in der überkommenen staatsgesellschaft bilden die unbestechlichen nur eine minderheit, vielleicht ein fünftel der bevölkerung, nach dem milgram-experiment zu schließen.
in zeiten des gesellschaftlichen umbruchs ist es tausendmal vorgekommen und überliefert, dass eine minderheit die mehrheit mitriss wie in den großen revolutionen.
danach übernahmen dann bisher jedesmal wieder die machtkranken opportunisten das ruder und stellten die alte weltunordnung wieder her, manchmal ein wenig modifiziert.
jetzt aber steht die menschheit vor der größten herausforderung ihrer geschichte. es geht nicht mehr nur um die eine oder andere unruheprovinz oder das eine oder andere imperialistische land, es geht um alles, um das ganze der welt, um die ganze menschheit. nicht in dem oberflächlichen sinn, dass die gesamte weltbevölkerung involviert und betroffen ist, sondern in dem existenziellen sinn, dass die ganze menschheit auf dem spiel steht.
so eine ausnahmesituation kann kräfte mobilisieren, wogegen die staatliche macht gering ist. die alte herrschaft hat die schwierige aufgabe, abzudanken und dabei doch ein chaos zu verhindern. anders als gorbatschow seinerzeit müssen die regierenden den übergang vorbereiten und begleiten aus der einsicht, dass sie keine andere wahl mehr haben, als der neuen weltgesellschaft die zukunft zu überlassen. folterfrei und ohne gefängnisse.


 

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